Soll man Menschen stummschalten?

StummschaltenIch habe heute wieder drei Artikel gelesen, wie fürchterlich die Welt dank Smartphones geworden ist. Wir werden angeblich alle völlig überfordert und haben keine Chance uns gegen Multitasking und dauernde Belästigung zu wehren.

Aber Hand aufs Herz: Sind Sie immer und überall erreichbar?

Wenn Sie in einem wichtigen Gespräch sind, bspw. einem Verkaufsgespräch, nehmen Sie dann wirklich Telefongespräche entgegen? Wohl kaum. Das wäre unhöflich und vor allem bringt Sie das nicht weiter. Sie wären dann in Gedanken nicht bei Ihrem Gesprächspartner am Telefon und gegenüber Ihrem direkten Gegenüber wäre es ebenfalls unhöflich.

Wenn Sie mir zustimmen, ist eine Frage beantwortet: Wir sind nicht immer und überall erreichbar und es macht auch keinen Sinn.

Die Konsequenz: Zuverlässigkeit und Professionalität in Ihrer Informationsverarbeitung 

Was meine ich damit? Selbstverständlichkeiten auf den ersten Blick: Bei unbeantworteten Rückrufen meiner Kunden rufe ich zurück. Wichtige E-Mails meiner Geschäftspartner beantworte ich zeitnah. Und auch relevante Informationen, egal auf welchem etablierten Kanal sie ankommen, nehme ich zur Kenntnis.

Aber das heißt nicht, dass ich das alles sofort und unmittelbar erledige. Ich sorge durch mein Verhalten dafür, dass meine Zuverlässigkeit bei Anderen bekannt wird und sie sich auf mich verlassen können; konkret: ich rufe zurück, ich beantworte Nachrichten und das sobald ich kann.

Wer weiß, dass er eine Reaktion erhält, kann auch einmal eine Zeit darauf warten!

Als Profi nutze ich die mir zur Verfügung stehen Möglichkeiten.

Ein Handy kann man stummschalten, Menschen sollte man nicht den Mund verbieten!

Technik mit allen Möglichkeiten nutzen – statt sie zu verteufeln

Zu allererst: Ja, auch mein Smartphone hat einen Ein-/Ausschaltknopf. Dann passiert aber garnichts mehr.
Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten, hier nur ein paar Alternativen zum Dauerklingeln (oder Vibrieren, das ist genauso nervend und stört mindestens so sehr wie ein klingelndes Handy in der Tasche).

Stummschalten – aber nicht abschalten

Wenn Sie  auf eine neue Information warten, die vielleicht sogar für das laufende Meeting oder Gespräch relevant ist, hilft nichts: Smartphone stummschalten und in Konzentrations- oder Gesprächspausen checken was war. Nicht optimal, aber besser als Geklingel  (siehe oben).

Das ist übrigens auch die richtige Einstellung (des Gerätes) während der Schreibtischarbeit. 25 Minuten am Stück arbeiten kann mehr Ergebnisse produzieren als zwei Stunden mit Dauerstörungen. Im Zweifel lassen Sie die „Eieruhr“ mitlaufen (siehe Pomodoro Technik). In dieser kurzen Zeit sind Sie nicht im Empfangsmodus. Ausgenommen hiervon sind natürlich „Feuerwehrleute“ im Bereitschaftsdienst und ähnliche Personen.

Vorher wählen, wer stören darf

Die moderne Technik erlaubt aber noch viel mehr. Wir können Ausnahmen von der Regel erstellen, bspw. das Telefon klingeln lassen, wenn der Anruf reinkommt, auf den wir warten. Wir können (und sollten das unbedingt als Standardeinstellung wählen) Outlook so konfigurieren, dass nichts „klingelt“ und auf dem Bildschirm angezeigt wird. Unsere Neugier sorgt dann nämlich dafür, dass wir garantiert hinsehen und versuchen zu verstehen, worum es geht. Ergebnis: Wieder von vorne in die Mail reindenken, die wer gerade schreiben, die Tabelle von neuem aufbauen usw. Trotzdem können wir hier bspw. mit Regeln dafür sorgen, dass wichtige Störungsmeldungen uns erreichen. Outlook kann nicht denken, aber ich kann ihm sagen, dass E-Mails von bestimmten Empfängern, mit bestimmten Worten im Betreff oder ähnliches mir trotz der „Stummschaltung“ direkt angezeigt werden.

Bei den meisten Apps kann ich auch von Fall zu entscheiden, ob und wie sie sich bemerkbar machen sollen. So kann ich den E-Mailclient auf dem Handy stummschalten, aber WhatsApp-Nachrichten bemerken. Oder umgekehrt, oder wie auch immer es für Sie passt.

Meine Aufgaben, mein Rhythmus

Im Lauf der Zeit sollten wir unseren eigenen Rhytmus finden. Wenn ich mich morgens gut konzentrieren kann, versuche ich hier keine Meetings zu veranstalten und meine Schreibtischarbeit zu erledigen. Wenn ich lange, ausufernde E-Mails hasse richte ich mir meine E-Mail-Clients so ein, dass ich Mails einfach für spätere Bearbeitung verschieben kann und … konzentriere mich selber darauf Mails mit kurzem, eindeutigen Betreff zu schreiben und den Inhalt möglichst gut zu strukturieren.

Stumm ist gar nicht dumm!

Zu guter Letzt: Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich verhalte mich freundlich und höflich im Umgang zu den Personen in meiner Umgebung. Damit ich aber die Zeit für die wichtigen Dinge und vor allem eben Menschen in meinem Alltag habe, nutze ich die Möglichkeiten, die mir moderne Technik gibt, die Informationsflut einzudämmen und zu kanalisieren.
In diesem Sinne ist Stumm immer öfter gar nicht dumm!

Besser denken, besser handeln, besser fühlen!